Andacht März 2025
Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Johannes 15, 13
Es war Dietrich Bonhoeffer, der am 8. März 1936 über diese Textstelle im Evangelium nach Johannes in seinem Predigerseminar das Predigen gelehrt hat. Anlass war der Heldengedenktag, wie der Volkstrauertag in den Jahren 1934 bis 1945 genannt wurde. Es ist verständlich, wenn wir Menschen als Helden verehren und ihrer gedenken, die durch den Einsatz ihres Lebens ihrer hoffentlich guten Sache und ihren Freunden gedient haben.
„Wollen wir an diesem Tag der Helden gedenken, ohne Christi zu gedenken? Wollen wir an diesem Tag von den Helden unseres Volkes predigen oder hören, statt von Christus zu predigen und zu hören? Wollen wir, statt das Opfer des Sohnes Gottes zu preisen, das Opfer der Söhne unseres Volkes preisen? Wollen wir verhehlen, dass niemand größere Liebe hat als Christus?“ So fragt Dietrich Bonhoeffer die Teilnehmer seines Seminars, so müssen wir uns fragen lassen, auch wenn der Volkstrauertag bei uns im November begangen wird und nicht mehr im Frühjahr.
Denn im Frühjahr gedenken wir unverändert der Leidenszeit Christi. Und wir müssen uns fragen lassen, ob es sich dabei um ein Andenken aus Mitleid, eine andachtsvolle Regung des Mitgefühls handelt, oder ob wir nicht Anlass haben, Christus als Helden unseres Lebens zu verehren. Denn Grund genug hätten wir allemal.
Das erkennen wir in den Zeilen von Johann Scheffler, der von Jesus singt: „Liebe, die für mich gelitten / und gestorben in der Zeit, Liebe, die mir hat erstritten / ewge Lust und Seligkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, / dein zu bleiben ewiglich.“ (GL 362; EG 401; Vers 3) Durch Jesu Opfergang durch Folter und Kreuzestod haben wir freien Zugang zu Gottes Fürsorge und Barmherzigkeit. Wir können aufgrund des qualvollen Leidens und Sterbens Jesu wie sorglose Kinder unser Leben hier auf Erden und die Zeit nach unserem Tode in der Obhut des himmlischen Vaters verbringen in „ewger Lust und Seligkeit“. Es liegt jetzt nur an uns, ob wir „Ja“ zu Jesus sagen.
Und wir wollen nicht verhehlen, wie dankbar wir Jesus für seine so große Liebe sind. Wir lieben die Menschen, die uns nahe sind, die uns befreundet und sympathisch sind. Jesus dagegen hat uns geliebt, als wir noch nicht seine Freunde waren, als wir noch mit unserem Neid und unserer Angst uns von Gott abgewandt hatten. Wir glaubten noch, unser Leben in die eigenen Hände nehmen zu müssen und zu können. Wir verfluchten dann das „Schicksal“, das uns mit seinen Schlägen unsere schönen Lebensträume zertrümmerte.
Da sah Jesus uns an wie er den Mann angesehen hat, von dem uns Markus berichtet (Markus 10, 17 ff): „Jesus aber blickte ihn an, liebte ihn und sprach zu ihm: Eines fehlt dir; gehe hin, ... komm, folge mir nach.“ Jesus liebte den Mann, obwohl er wusste, der würde ihm nicht nachfolgen. Jesus liebt uns, obwohl er weiß, dass wir ihm immer wieder Kummer bereiten werden durch alltägliches, oft gedankenloses Verhalten. Jesus sagt nicht zu uns: „Ändere dich, dann will ich dich liebhaben.“ Er sagt vielmehr: „Ich habe dich lieb, deshalb kannst du dich ändern.“
Folgen wir dieser Aufforderung. Denn Jesus weist uns darauf hin: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich.“ (Johannes 14, 6)
Ulrich Lorenz, Berlin