Andacht Mai 2022

Mein Lieber, ich wünsche, dass es dir in allen Stücken gut gehe
und du gesund seist, so wie es deiner Seele gut geht.


3. Johannes 2

„Bringt her dem Herren Lob und Ehr, / aus freudigem Gemüte! / Ein jeder Gottes Ruhm vermehr, / und preise seine Güte, / die er beweist in aller Welt, / dadurch er alle Ding erhält / und unsre Seelen segnet“ (Cyriakus Günther). Das ist Jesu permanentes Anliegen: den Menschen zu versichern, dass sein Vater, der allmächtige Gott, unser aller Vater, die Menschen, seine Geschöpfe, liebt und ihnen nur Gutes will, ihnen gegenüber voller Güte ist, auch wenn ihn diese Menschen oft genug ignorieren und beleidigen, ihn missachten und leugnen. Der Ort, wo Gott uns Menschen sucht und findet, ist unsere Seele.

Wenn Gott, wenn Jesus in der Seele wohnt (Offenbarung 3, 20), ist bzw. wird diese gesund. Denn sie kann sehr krank sein. Wenn sie sich von ihrem Schöpfer getrennt hat und ist anderen Göttern nachgelaufen, ist sie enttäuscht worden. Sie hat sich an irdische Güter gehängt, an Ansehen und Titel, an Gold und Silber, an andere Menschen, die sie für bedeutend hielt – und hat alles verloren und hat alles aufgeben müssen! Sie trauert darüber, dass nun nichts mehr so ist, wie früher. Sie hat keinen Blick für die Schönheiten, die Reize der Gegenwart. Sie blickt trübe in die Zukunft: „Was soll die mir schon bringen? Ich habe alles verloren!“ jammert sie. Sie ist krank.

Gaius, so heißt der Empfänger der dritten Briefs, der uns vom Evangelisten Johannes überliefert wurde, Gaius hat eine gesunde Seele. Das bescheinigt ihm Johannes, und hat daher auch einen gesunden Körper. Denn Seele (griechisch: psyche) und Körper (griechisch: soma) sind eng miteinander verbunden und beeinflussen einander. Johannes wünscht Gaius, körperliches Wohlergehen gemäß seiner Seele. Denn Gaius hat sich in einer lästigen Auseinandersetzung des Johannes mit dem Leiter der Gemeinde, einem Mann namens Diotrephes, als vernünftig erwiesen, als jemand, der Jesu Worte in seinem Leben umsetzt und verwirklicht.

Damals breitete sich eine Lehre aus, die sich „Gnosis“ (Erkenntnis) nannte und die viele Elemente des Christentums enthielt, aber in wesentlichen Punkten davon abwich. Insbesondere bestritt sie die wahre Menschwerdung Jesu Christi. Und so zogen die von Johannes ausgesandten Prediger durch die Lande, aber auch die Jünger der Gnosis. Und wahrscheinlich zusätzlich noch jede Menge Trittbrettfahrer, die um des eigenen Vorteils willen den Leuten predigten und deren Almosen für sich selbst verwendeten. Es war üblich, dass solche Wanderprediger von den Gemeinden aufgenommen wurden und für die Dauer ihres Aufenthaltes beköstigt wurden.

Wegen der vielen „falschen“ Prediger hatte offenbar Diotrephes der Gemeinde untersagt, überhaupt Prediger aufzunehmen und zu versorgen, auch die nicht, die Johannes selbst ausgesandt hatte. Damit aber verstieß Diotrephes gegen die Regeln, die in der Antike zur Gastfreundschaft galten. Und vor Allem gegen Jesu Gebote zur Gastfreundschaft, zur Nächstenliebe (vgl. z.B. Matthäus 25, 35). Und gegen Jesu Gebot, über andere Menschen nicht zu richten und zu urteilen, da wir nicht in die Herzen schauen können (vgl. z.B. das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, Matthäus 13, 24ff). Jesus hat uns gelehrt, dass wir getrost der Führung des himmlischen Vaters vertrauen können. Wenn wir nicht mehr weiterwissen, können wir die Sache getrost in seine Hände legen. Wir können uns darauf verlassen, dass er alles Erforderliche auch ohne uns unternimmt, was seinem Reich förderlich ist (vgl. Psalm 55, 23).

Dadurch verlässt uns die innere Unruhe, die uns schlaflos macht. Jesu Frieden kann bei uns einkehren: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“ (Johannes 14, 27). Denn unser Herz fühlt sich bei Jesus geborgen.

Und die kranke Seele wird wieder gesund, wenn sie Jesu Einladung folgt: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“ (Matthäus 11, 29f).

Ulrich Lorenz, Berlin