Andacht September 2026

Jesus Christus spricht: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.


Matthäus 18, 20

Ob Mathilde, Ottilie, Marie und Liliane, die in dem bekannten Lied von Udo Jürgens „täglich um viertel nach drei am Stammtisch im Eck in der Konditorei zum Sturm auf das Kuchenbuffett“ blasen, „auf Schwarzwälder Kirsch und auf Sahnebaiser, auf Früchteeis, Ananas, Kirsch und Banane: aber bitte mit Sahne,“ sich im Namen Jesu Christi versammelt haben, ist nicht überliefert. Immerhin: „der Pfarrer begrub (Liane, die letzte Überlebende des Kaffeekränzchens) mit rührenden Worten, dass der Herrgott den Weg in den Himmel ihr bahne, aber bitte mit Sahne.“ Uns steht über die Gläubigkeit der Damen kein Urteil zu.

Unser Herr Jesus verbietet uns ja wohlweislich das Richten. In seiner grundlegenden Predigt auf dem Berg bestimmt er ganz klar: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn so wie ihr über andere urteilt, wird man auch euch beurteilen und das Maß, mit dem ihr bei anderen messt, wird auch euch zugemessen werden.“ (Matthäus 7, 1-2) Es fällt uns oft so leicht, andere Menschen nach unseren Maßstäben zu messen, über sie herzuziehen, ihnen den rechten Glauben abzusprechen oder über ihre Lebensführung zu munkeln.

Oft genug werden dabei auch Unwahrheiten verbreitet, Lügen kolportiert, falsche Gerüchte weitergegeben. Für den Betroffenen ist besonders verletzend, dass er davon nichts weiß. Aber er spürt es. Plötzlich wird er von Nachbarn gemieden, Bekannte ziehen sich zurück oder kennen ihn nicht mehr. „Warum?“ fragt er sich. Doch scheute er sich zu fragen. Würde er denn eine Antwort erhalten? Er ahnt, dass man ihm hinter seinem Rücken unlautere Handlungen nachsagt. Zu Unrecht, das könnte er beweisen. Aber er hat keine Gelegenheit dazu.

Dem Philosophen Sokrates wird die Geschichte von den drei Sieben zugeschrieben, durch die man jede Rede filtern sollte: das Sieb der Wahrheit, das Sieb der Güte und das Sieb der Notwendigkeit. Wenn man nur erzählt was wahr ist, gütig und nötig, dann würde es keine üble Nachrede mehr geben.

Damit würde Gottes Gebot erfüllt „Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten!“ (2. Mose 20, 16). Dann können wir uns wahrhaft im Namen Jesu versammeln, ohne in Versuchung zu geraten. Statt über Abwesende zu reden, könnten wir anderen Menschen von Jesus erzählen, uns mit seinen Worten gegenseitig aufrichten, trösten und im Glauben stärken. Denn: „Wer glaubt, der ist ein Herr; und ob er gleich stirbt, muss er doch wieder leben; ist einer arm, muss er doch wieder reich sein; ist einer krank, muss er doch wieder gesund werden. Wenn man durch den Glauben den Karren so geschmiert hat, so geht das Fuhrwerk fort“ (Martin Luther).

Das gilt auch heute!

Ulrich Lorenz, Berlin