Andacht Januar 2022

Jesus Christus spricht: Kommt und seht!


Johannes 1, 39

Das Volk Israel war die Besatzung leid. Und so interpretierte man die alten Prophezeiungen von einem Messias entsprechend: Der Messias, der ja ein Nachkomme des großen Königs David sein sollte (vgl. z.B. Jeremia 33, 17; Markus 12, 35; Lukas 20, 41), würde als strahlender Feldherr in glänzender Rüstung und mit blinkendem Schwert in Jerusalem einziehen. Er würde nun ein israelisches Reich errichten, das allen Feinden widerstehen würde und könnte.

Diesem Bild vom Messias entsprach Jesus augenscheinlich nicht. Er macht kein Geheimnis um seine Lebensumstände. „Kommt und seht!“ fordert er die Menschen auf, sich selbst ein Bild davon zu machen, unser Monatsspruch. Keiner soll ihm folgen, der sich nicht klar ist über Jesu Wesen, über seine (irdischen) Verhältnisse, über sein Handeln.

War Jesus gar nicht der Messias? Er selbst nannte sich Menschensohn, Johannes der Täufer nennt ihn „Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt“ (Johannes 1, 29b). Und Jesaja hat sein weiteres Schicksal in den Gesängen vom Gottesknecht (Jesaja 53) vorhergesagt. Jesus beschreibt seine Lebensumstände so, „die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hin lege“ (Matthäus 8, 20).

Jesus lebt ganz aus dem Vertrauen, dass ihn sein himmlischer täglich ernährt und kleidet und für ihn sorgt. So sollen auch seine Jünger leben, die Menschen, die ihr Leben unter seine Führung gestellt haben. Und er wird nicht müde, sie zu dieser Lebensform zu ermuntern. „Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? … Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft“ (Matthäus 6, 25ff).

Eine solche Lebensweise setzt unbedingtes Vertrauen in den himmlischen Vater voraus, so wie es kleine Kinder zu ihrem Vater, ihrer Mutter haben. Deshalb rät Jesus den Menschen „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Matthäus 18, 3). Und im Gespräch mit dem Schriftgelehrten (Markus 12, 29f): „Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft«“ (5. Mose 6,4 f). Aber das andere Gebot, ebenso vom himmlischen Vater verordnet, ist Jesus ebenso wichtig: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR“ (3. Mose 19, 18).

Das ist Jesu Botschaft an uns, dass Gott uns, seine Geschöpfe, so sehr liebt, dass er unsere vorbehaltlose Liebe, unser uneingeschränktes Vertrauen erwartet und verdient. Gott ist der Schöpfer nicht nur der Welt seit Anbeginn, sondern auch wir wären ohne seinen Willen nicht entstanden. Das Gleiche gilt für den Menschen uns gegenüber, mit dem wir z. B. gerade den selben Bus benutzen. Wie kommen wir dazu, dem himmlischen Vater Vorschriften zu machen? Unseren Bruder, unseren Nächsten zu missachten? Es widerspricht wohl unserem Selbstbewusstsein, uns dem himmlischen Vater unterzuordnen, aber dieses „Selbstbewusstsein“ ist teuflische überheblichkeit, zu der uns die Schlange überlistet hat (vgl. 1. Mose 3). Die Bibel nennt das „Sünde“.

Jesus hat uns vorgelebt, wie wir mit Gott und dem Mitmenschen leben sollen. Er hat sogar sein Leben für alle Menschen geopfert und sich schuldlos zum Tod am Kreuz verurteilen lassen. Da die Menschen sich nicht aus eigener Kraft von dieser überheblichkeit lösen können, gilt seither, dass jedem, der Jesus als Sohn Gottes anerkennt, als Messias, als Retter der Welt, die Sünde von Gott nicht vorgeworfen werden wird.

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Ulrich Lorenz, Berlin