Andacht Mai 2026
Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Römer 15, 13
„Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.“ Mit diesem Sprichwort drückt der römische Dichter Ovid skeptisch seine Erfahrungen mit den Menschen aus. Viele von uns werden Ovid zustimmen. Wie oft schon haben wir auf ein Zeichen der Verbundenheit gehofft oder ein Wort der Entschuldigung. Wie oft schon haben wir uns im beruflichen Alltag darauf verlassen, dass ein anderer seine versprochene Vorleistung erbringt, nur um dann zu erfahren, dass unsere Hoffnung vergeblich war.
Ovid lebte von 43 vor Christis Geburt bis 17 oder 18 nach Christi Geburt, hat also unseren Herren nicht kennen können. So konnte er die frohe Botschaft von der Liebe Gottes nicht hören. Der Apostel Paulus aber, aus dessen Brief an die Römer die Monatslosung stammt, hat die liebende Gnade Gottes erfahren. Er weiß, dass er nie vergeblich auf die helfende Hand seines himmlischen Vaters gehofft hat. „Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist“ (Römer 5, 5), so jubelt Paulus. Denn sein Thema sind die lebenswichtigen Gaben, die der gläubige Mensch durch den Heiligen Geist von Gott geschenkt bekommt.
Paulus hat selbst Gnade erfahren, als er durch Jesus von seinen Sünden gereinigt wurde. Er hatte sich als fanatischer Verfolger der Christen hervorgetan. Jesus aber hatte ihn in einem dramatischen Geschehen von der falschen Bahn weggeholt und zu seinem Jünger gemacht. Paulus weiß, wovon er redet.
Auch jeder von uns kann das erleben. Jesus lädt uns ein: „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11, 28-30)
Wenn ich bereit bin, dieser Einladung zu folgen, mich mit allen meinen Lasten und Ängsten in seine Hände fallen zu lassen, dann erfahre ich buchstäblich Erfüllung seiner Zusage: ich werde im Innern ruhig. Im Vertrauen in ihn, im Glauben an ihn werden mir von ihm Freude und Frieden geschenkt: Frieden zunächst und vor allem dadurch, dass mich meine Vergangenheit nicht mehr belasten kann mit bedrückenden Gedanken und Alpträumen. Durch Jesus wurde meine Schuld dem himmlischen Vater gegenüber abgetragen.
Wie kann man die Gefühle anders beschreiben als mit Worten, wie es Paulus tut: „Freude“ und „Hoffnung“. Ich höre nicht auf zu hoffen, dass mir Gott auch künftig in allen Tiefen meines Lebens in Jesus beistehen wird. Ich kann nicht anders, als mich freuen über meinen durch Gottes Vergebung befreiten Umgang mit meiner Familie, meinen Kollegen – allen Menschen überhaupt. „Ist es möglich, soviel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden.“ (Römer 12, 18)
Das fällt mir dann nicht mehr schwer.
Ulrich Lorenz, Berlin