Andacht Juni 2026

Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein anderer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer.


Sprüche 11, 24

Das Buch der Sprüche sammelt Lebensweisheiten des alten Israels in Form von Sinn- und Merksprüchen. Unsere Kultur kennt auch so etwas, z.B. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Das hat meine Mutter mir stets vorgehalten, wenn ich als Kind der festen Überzeugung war, dass ich diese oder jene „Schulweisheit“ ja immer noch lernen könnte, falls ich sie wirklich einmal benötigen sollte. Mit den Sprüchen wollte man besonders der Jugend den Weg durch das Leben erleichtern. Es wurden Erfahrungen zusammengefasst und so in einer schriftarmen Epoche an nachfolgende Generationen weitergegeben.

Es ist segensreich, wenn man fröhlich und freigiebig zum Nutzen anderer mit den Dingen umgeht, die einem zuteil geworden sind. Denn darin kommt von dem Dank und dem Vertrauen zum Ausdruck, die ein Mensch seinem Gott gegenüber im Herzen haben soll. So wie es auch Psalm 112 in jubelnden Worten vermeldet: „Halleluja! Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Lust hat zu seinen Geboten! Des Same wird gewaltig sein auf Erden; das Geschlecht der Frommen wird gesegnet sein. Reichtum und die Fülle wird in ihrem Hause sein, und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich...“ (Psalm 112, 1-3)

Auch der Apostel Paulus hat diese Erfahrung gemacht und schreibt der Gemeinde in Korinth, die wohl einige Schwierigkeiten damit hatte, die nötigen Mittel zum Erhalt der Gemeinde aufzubringen: „Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder (sollte so spenden), wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. ... Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit,“ (2. Brief an die Korinther 9, 6.7.10)

Es fällt offenbar schwer, sich von den guten Gaben zu trennen, mit denen wir durch den Segen des himmlischen Vaters beschenkt worden sind. Ja, viele wollen nicht begreifen, dass es nicht unser Fleiß und unsere Tüchtigkeit sind, die zu dem breiten Strom von Einkünften und Fähigkeiten führen, über die wir verfügen dürfen. Wir meinen, alles nur uns selbst zu verdanken. Wir sorgen uns vielmehr, dass wir in späteren Jahren nicht mehr in der Lage sein könnten, selbst unser Auskommen zu schaffen, so dass wir dann hungern müssten. Mit einem Schmunzeln fragt Jesus seine Zuhörer und uns: „Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget?“ (Matthäus 6, 27)

Vielmehr ist es gelebtes Gottvertrauen, wenn wir uns an das Vorbild der alten Witwe halten, auf die unser Herr Jesus die Jünger im Evangelium nach Markus aufmerksam macht (12, 41 ff). Nicht nur unser Geld, auch unsere Zeit und unsere Fertigkeiten können und sollen wir einsetzen zum Wohl des Mitmenschen, von dessen Not wir erfahren. Wir sind die Nächsten der behinderten Frau, die nicht mehr aus eigener Kraft den Seniorennachmittag erreichen kann: warum fahren wir sie nicht, wenn wir doch Zeit und Mittel dafür haben?

Jesus hat uns wiederholt versichert, dass unser himmlischer Vater uns auch ohne unser Sorgen und Bangen ausreichend mit Essen, Getränken und Kleidung ausstatten wird, so wie er die Lilien auf dem Feld und die Vögel erhält. „Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden. So seid nun nicht besorgt um den Tag morgen, denn das Morgen wird für sich selbst sorgen“ (Matthäus 6, 33-34).

Vertrauen wir doch seiner Zusage!

Ulrich Lorenz, Berlin